25Jahrena

25 Jahre news aktuell

Wir schreiben das Jahr 1993. news aktuell hat sich vom Ein-Mann-Betrieb zu einem kleinen, aber florierenden Unternehmen entwickelt. Die Mitarbeiterzahl befindet sich bereits im zweistelligen Bereich und der Erfolg von Gründer Carl-Eduard Meyer ruft größere Player auf den Plan: Die Nachrichtenagentur dpa erkennt die Möglichkeiten des OTS-Geschäfts und schickt sich an, news aktuell zu übernehmen. Lesen Sie im zweiten Teil unserer Jubiläums-Chronik, wie news aktuell zur Enkeltochter der dpa wurde und wie die ersten Jahre unter neuer Flagge verliefen. 

Das Jahr 1993 fing für Gründer Carl-Eduard Meyer äußerst interessant an. Verkaufsverhandlungen mit der Nachrichtenagentur dpa dominierten seinen Terminkalender. Vollkommen neue Perspektiven eröffneten sich seiner kleinen Firma, die noch immer direkt hinterm Hamburger Hauptbahnhof ihr Domizil hatte.

Der angestrebte Deal war sogar so wichtig, dass der SPIEGEL recherchierte und anschließend berichtete. „PR statt Nachricht“, meldete das Blatt dann prompt. Als ob dpa nun aufhören würde, Nachrichten zu produzieren…

Natürlich waren beide Verhandlungspartner wenig begeistert über die suggestive SPIEGEL-Berichterstattung. Trotzdem ging aber am Ende alles glatt und am 7. Dezember 1993 meldete dpa Vollzug. Letztlich wurde aus news aktuell aber keine direkte Tochterfirma gemacht, sondern die Neuerwerbung wurde als „Enkeltochter“ im Konzern verankert:

"Vom nächsten Jahr an, so der Plan, werden parallel zu eigenen, recherchierten Meldungen auch Verlautbarungen von Firmen, Verbänden und Parteien verbreitet", meldetet DER SPIEGEL Mitte 1993. Und das Blatt behielt Recht. Ab dem 1. Januar 1994 gehörte news aktuell zur dpa-Gruppe.

„Vom nächsten Jahr an, so der Plan, werden parallel zu eigenen, recherchierten Meldungen auch Verlautbarungen von Firmen, Verbänden und Parteien verbreitet“, meldetet DER SPIEGEL Mitte 1993. Und das Blatt behielt Recht. Ab dem 1. Januar 1994 gehörte news aktuell zur dpa-Gruppe.

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Di, 07.12.1993, 9:00

 Moderne Wege für die Öffentlichkeitsarbeit

Hamburg (dpa) – Die gms Global Media Service GmbH (Hamburg), eine Tocherfirma der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH (Hamburg), hat zum 1. Januar 1994 die Agentur News Aktuell GmbH (Hamburg) gekauft. News Aktuell liefert Pressemitteilungen von Unternehmen und anderen Anbietern vor allem per Fax und Satellit direkt an die Medien. Der Gründer und bisherige Alleingesellschafter von News Aktuell, Carl-Eduard Meyer, bleibt Geschäftsführer.

News Aktuell werde einen «Original-Text-Service» (OTS) anbieten, der von interessierten Zeitungen, Zeitschriften und elektronischen Medien digital verarbeitet werden kann. Dies teilte Walter Richtberg, Geschäftsführer von gms und Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung, am Dienstag in Hamburg mit. Diese Transport-Dienstleistung stehe vor allem Unternehmen und Verbänden, Parteien und staatlichen Institutionen sowie PR-Agenturen und anderen Informationsanbietern zur Verfügung. Der OTS richte sich an Medien, aber auch an Zielgruppen aus Wirtschaft und Politik.

News Aktuell werde unter der Leitung von Meyer völlig unabhängig von der redaktionellen Arbeit der dpa tätig sein. «Wechselseitige Verflechtungen wird es nicht geben», sagte Richtberg. Zusammen mit der Austria Presse Agentur (APA) und der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) solle ein «optimaler OTS-Service im deutschsprachigen Raum angeboten werden».

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Walter Richtberg

Dr. Walter Richtberg, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung, leitete 1993 die Übernahmeverhandlungen. Von 1985 bis 2005 führte er die größte deutsche Nachrichtenagentur.

Der Deal war ein Volltreffer für alle Beteiligten. Mit der starken Marke dpa im Rücken, erfuhr Meyer gegenüber seinen Kunden und bisherigen Skeptikern über Nacht ein völlig neues Standing. So zum Beispiel beim damaligen Sprecher des BDI Dieter Rath. Für Rath kam die Übernahme durch dpa einem Ritterschlag gleich. Seitdem ist die Interessenvertretung der deutschen Industrie ein treuer und langjähriger OTS-Kunde.

Aber wie entstand eigentlich damals das Kürzel „OTS“? Die Marke erblickte das Licht der Welt zum Jahresbeginn 1994. Heute ist „OTS“ zum Gattungsbegriff geworden und wird gleichgesetzt mit „Pressemitteilung verschicken“. (Genauso wie „Tempo“ der Gattungsbegriff  für „Papiertaschentuch“ ist.) Bis zur Übernahme hatte news aktuell das Agenturkürzel „new“ verwendet. Die neue Buchstabenfolge OTS war aber keine exklusive Erfindung von Meyer oder der dpa. Man schaute sich damals einfach im Nachbarland Österreich um. Dort existierte unter dem Dach der lokalen Nachrichtenagentur APA bereits seit vielen Jahren eine OTS-Abteilung.

Logo von news aktuell nach dpa-Übernahme

Das neue Logo von news aktuell nach der Übernahme durch dpa im Jahre 1994. Heute noch als „Kipp-Logo“ bekannt.

Aber noch mehr Aufbauarbeit musste geleistet werden: Die Etablierung eines eigenen OTS-Satelliten-Netzwerkes war eine kniffelige Angelegenheit. Damals lief die Belieferung von Redaktionen über so genannte 300bd-Schnittstellen ab. OTS wurde nicht wie heute bequem per Hucke-Pack auf dem Rücken der dpa-Meldungen in die Redaktionen geschickt.

Nein, das Netzwerk musste technisch gesehen komplett separat aufgebaut werden. Einzelgespräche mit jedem Redaktionsleiter waren die Folge. Oft musste monatelang gebaggert werden, um endlich die heiß ersehnte Aufschaltung von OTS vornehmen zu dürfen. Offen gesagt, war damals nämlich nicht jeder Chefredakteur sofort davon begeistert, PR-Meldungen im Newspool seiner Redaktion vorzufinden.

Heute ist das anders. PR und Journalismus stehen sich längst nicht mehr so ideologisch gegenüber wie früher. Erfolg und Expertise von news aktuell werden dpa-weit gewürdigt. Gemischte Arbeits- und Projektgruppen sind an der Tagesordnung. Geblieben ist von damals nur Eines: Die strenge inhaltliche Trennung von dpa-Inhalten und OTS-Meldungen.

Die Übernahme durch dpa war allerdings nicht das einzige große Thema in jenen Jahren. Meyer und sein Team begannen parallel, das Geschäft mit der Verbreitung von digitalen Bildern zu intensivieren. Auch hier arbeiteten news aktuell und dpa Hand in Hand.

Eine weitere neue Idee von Meyer war der Aufbau eines Karikaturenservices. Jeden Tag gegen Mittag wurden per OTS die Themen der Zeichnungen angekündigt, die später am Nachmittag in die Redaktionen gefaxt wurden. Blattmacher mussten nämlich bei der Planung ihrer Kommentarseite frühzeitig wissen, ob eine Karikatur vorliegt, die vom Inhalt her passt. Selbst damals konnte sich nicht jedes Blatt einen eigenen Zeichner leisten.

Die Redakteure waren also „gezwungen“, den OTS-Dienst zu lesen, um ihre Druckvorlagen planen zu können. Die beiden Zeichner, die Meyer unter Vertrag hatte, hießen Karl-Heinz Schoenfeld (Stammkarikaturist des Hamburger Abendblatts) und Götz Wiedenroth aus Flensburg. Das Marketing-Tool Karikaturenservice funktionierte viele Jahre lang hervorragend. Heute gibt es den Dienst freilich nicht mehr.

 

Team von news aktuell 1996

Das Team von news aktuell kurz nach dem Umzug in den Mittelweg 1996. Vlnr stehend: Sven Wrage (heute Leiter IT), Mary Thiel (heute Projektmanagerin), Frank Stadthoewer (heute Geschäftsführer), Vera Walter (heute Rechtsreferentin), Christina Hektor (ausgeschieden), Malgorzata Trczinski (ausgeschieden), Erko Deterts (ausgeschieden), Michael Voss (heute Leiter Finanz- und Rechnungswesen) und Carl-Eduard Meyer (damals und heute Geschäftsführer). Vorne sitzend vlnr: Tanja Holstein (ausgeschieden), Susanne Alm-Hanke (heute Projektmanagerin) und Thomas Bail (ausgeschieden).

 

Die ersten Monate unter dem Dach von dpa waren für Meyer und sein Team eine riesige Herausforderung: Umzug an den Mittelweg, Eingliederung in einen Konzern. Neue Mentalitäten und Anforderungen mussten in den Jahren 1994 bis 1996 bewältigt werden. Jeder Neukunde wurde kräftig gefeiert.

Und wenn mal an einem Tag mehr als 20 Meldungen über den Ticker gingen, dann knallten im schönen neuen Büro in Pöseldorf die Sektkorken. Den wirklichen Erfolgspush erhielt news aktuell aber erst kurz danach. Das Internet betrat die Bühne und revolutionierte das Geschäft von news aktuell erneut.

Doch dazu demnächst mehr in Teil drei unserer Jubiläums-Chronik.

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