Immer und überall konsumieren die Menschen heute ihre Nachrichten. Newsportale, Social Media oder persönliche Messenger liefern multimediale Inhalte im Sekundentakt. Medienhäuser wie Deutschlands größte Nachrichtenagentur dpa stehen vor riesigen Herausforderungen. Was muss moderner Nachrichtenjournalismus im digitalen Zeitalter leisten?

Von Sven Gösmann, Chefredakteur der dpa.

Sven Gösmann ist Chefredakteur der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH. dpa ist die größte deutsche Nachrichtenagentur und arbeitet über alle Mediengrenzen hinweg rund um die Uhr.

Sven Gösmann ist Chefredakteur der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH. dpa ist die größte deutsche Nachrichtenagentur und arbeitet über alle Mediengrenzen hinweg rund um die Uhr.

„Wie fängt Ihr Tag morgens an, liebe Leser? Meiner beginnt mit einem raschen Blick auf mein Smartphone: Wie viele Eilmeldungen hat die dpa-Nachtredaktion an unsere Kunden gepusht? Was für Nachrichten sind eingetroffen? Welche Trends bestimmen an diesem Morgen die sozialen Medien? Danach erst eine Tasse Kaffee und immer noch der Gang zum Briefkasten, die Zeitung holen und durchblättern. Wer heute – ob beruflich oder privat – kommuniziert und sich informiert, der sieht sich einer unendlich wirkenden Zahl von Möglichkeiten gegenüber, vor allem digitalen. In der Regel über das Gerät, das wir immer bei uns haben: das Mobiltelefon, bislang nur selten auch über die Uhr oder Datenbrille.

Es ist die zweite, dritte, ach was, x-te digitale Revolution, die wir derzeit erleben. Und doch mit Sicherheit nur ein Zwischenschritt in dieser schönen neuen Welt der permanenten (R)Evolution. Der Mensch, besser: der Medienkonsument kann permanent und überall über Informationen verfügen: im Gehen, Stehen, Fahren, Liegen, Laufen. Bis vor zehn, zwanzig Jahren dagegen brauchte es zur Informationsaufnahme meist eine deutlich statischere Umgebung: den Fernsehsessel, den Frühstückstisch, den Computer.

Da sich die Möglichkeiten der Informationsaufnahme so beschleunigt und vervielfältigt haben, verändern sich auch die Erwartungen an die Informationshersteller rapide. Eine Nachrichtenagentur wie die Deutsche Presse-Agentur dpa war es über gut 55 Jahre ihrer bald 66-jährigen Geschichte gewohnt, Erstüberbringer der Nachricht zu sein. Erst der Quasi-Stempel des Ereignisnotars dpa machte aus dem Gerücht einen Fakt. Heute ist die Nachricht sofort im Netz. Ungeprüft, oft aus trüben Quellen, aber in Sekundenbruchteilen Verzögerung verfügbar. Was tun? Der dpa-Dreisatz zum professionellen Umgang mit dem Wandel lautet: verifizieren, einordnen, erklären. Stimmt die Nachricht überhaupt? Was bedeutet sie? Wer profitiert von ihr?

Das sind nur einige der Fragen, die wir uns im Berliner dpa-Newsroom und an rund 100 Standorten in aller Welt rund um die Uhr stellen. Recherche beginnt zwar immer noch mit der Betrachtung der Wirklichkeit; aber daneben ist für jeden dpa-Reporter und -Redakteur die Analyse der virtuellen Realität in Netz und Social Media Wirklichkeit geworden. Bildanalyse-Programme, eigene Kenntnis und Erfahrung sowie häufig genug noch der gesunde Menschenverstand helfen uns, richtig von falsch, wahr von gelogen zu trennen.

dpa-Newsroom Nachrichten

Verifizieren, einordnen, erklären: Der Berliner dpa-Newsroom steht für professionellen Nachrichtenjournalismus im digitalen Zeitalter.

 

Wer nicht mehr der Schnellste ist, muss trotzdem flott bleiben. „10 in 10“ heißt deshalb unser Motto: Jede „Breaking News“ soll binnen zehn Minuten um die wichtigsten verifizierten Fakten und ersten Hintergründe ergänzt werden. Daneben gibt es über den Tag ein stetig wachsendes Angebot aus Wort, Foto, Bewegtbild, Audiobeiträgen: Chroniken, Interviews, Hintergründe.

Nahrhaftes Wissensfutter für alle dpa-Kunden. Material, mit dem aktuelle Medien genauso wie immer analytischer ausgerichtete Printprodukte bestehen können. Das Ganze konstant gespiegelt mit den Wünschen und Anmerkungen unserer Kunden, die sich stärker noch als heute ihren Nutzern, Lesern, Zuschauern und Zuhörern für einen tatsächlichen Dialog werden öffnen müssen. Damit dieser Dialog aber auch fruchtbarer verläuft als heute, wo mancher lohnenswerte Diskurs sich buchstäblich trollen muss, braucht es eben mehr und breiteres Wissen.

Denn eines ist bei allem digitalen Fortschritt gewiss: Nur aufgeklärte Gesellschaften sind lebenswerte Gesellschaften.“

Schlagworte