Interview zu den zukünftigen Trends im Journalismus im Whitepaper

Journalisten werden immer mehr zu Allroundern. Das zeigt unsere aktuelle Umfrage „Recherche 2018“. Weit über die Hälfte der befragten Medienmacher veröffentlichen ihre Beiträge inzwischen in Print und Online, jeder Vierte gibt an, auch Videos zu produzieren. Aber was bringt die Zukunft? Welche Trends sehen die Redakteure und Reporter als relevant an? Wir haben Ulric Papendick, Geschäftsführender Direktor der Kölner Journalistenschule, und Jakob von Lindern, Leiter der dortigen digitalen Ausbildung, zu ihrer Sicht auf die Digitalisierung im Journalismus und die Trends befragt.

TREIBSTOFF: Herr Papendick, Herr von Lindern, wie bewerten Sie die Themen Daten- und Mobiler Journalismus?

PAPENDICK: Durch beide sind wichtige, neue Berufsfelder entstanden. Erst die Digitalisierung hat die Analyse großer Datenmengen wie bei den Panama Papers oder LuxLeaks möglich gemacht. Auch das Mobile Reporting, also beispielsweise das Erstellen von Bildern oder Videos per Smartphone, ist ein wichtiger Trend. Digitale Medien erwarten bereits heute die Fähigkeiten des mobilen Berichtens. Ökonomisch mag Mobile Reporting gut sein. Die Journalisten sind dadurch auch näher an den Gewohnheiten der User dran. Allerdings macht eine gewisse Spezialisierung aus Gründen der Qualität Sinn. Ein Journalist sollte keine eierlegende Wollmilchsau werden.

VON LINDERN: Beide genannten Bereiche sind neue Tools im Werkzeugkasten der Journalisten. Vor allem bei Breaking News hat das Mobile Reporting für Video-Journalisten große Bedeutung. Für mich ist allerdings der Daten-Journalismus größer und vielfältiger. Wobei die Bearbeitung der riesigen Datenmengen aus Leaks nur eine Spielart ist. Eine andere, die Auswertung von „normalen“ Datenbanken, nutzt dabei Methoden, die gar nicht so neu sind, da sie schon länger von Wissenschaftlern genutzt werden. Einige Redaktionen sind da schon relativ weit, im journalistischen Alltag wird diese Spielart des Daten- Journalismus allerdings erst langsam populär. Zudem ist eines wichtig: Journalisten müssen sich immer fragen, welche Geschichte können die Daten erzählen?

TREIBSTOFF: Sind Pressestellen von Unternehmen, Behörden oder Verbänden schon in der digitalen Welt angekommen?

PAPENDICK: Für große Unternehmen gilt das sicherlich. Allerdings versuchen diese meist auch ihre Kunden direkt über die unterschiedlichen Ausspielkanäle der sozialen Netzwerke zu erreichen.

VON LINDERN: Viele Unternehmen haben begriffen, dass Journalisten immer auf der Suche nach Zahlen sind. Vor allem Unternehmensberatungen nutzen eigens in Auftrag gegebene Umfragen, die sie Journalisten zur Verfügung stellen, um ihr Know-how auf ihrem Gebiet zu unterfüttern. Allerdings könnten Unternehmen Journalisten auch Zugang zu ausgewählten Daten geben. Natürlich anonymisiert und unter strikter Beachtung des Datenschutzes. Bei Google Trends lassen sich beispielsweise die Suchinteressen der Nutzer abfragen.

TREIBSTOFF: Wie hat die Digitalisierung die Ausbildung von Journalisten verändert?

PAPENDICK: Zunächst vermitteln wir nach wie vor die Grundfähigkeiten, die Journalisten für ihre Arbeit brauchen. Dazu gehören beispielsweise gute Recherche, die richtige Gesprächsführung, um an Informationen heranzukommen, und, wie stelle ich einen Sachverhalt dar. Zudem geben wir Einblick in alle wesentlichen Tools der Journalisten, natürlich auch die digitalen. Das kann ein Mobile-Reporting-Projekt mit der FAZ sein, ein Workshop zu Virtual Reality im Journalismus oder ein Seminar zum Thema Chatbots. In puncto Digitalisierung wollen wir unseren Schülern die ganze Bandbreite zeigen, außerdem geben wir ihnen die Möglichkeit, während der Ausbildung bestimmte Themen zu vertiefen. Das kann das Fundament sein für eine weitere Spezialisierung. Grundsätzlich gilt auch in der digitalen Welt: Recherche bleibt Recherche. Die Werkzeuge mögen sich ändern, die Regeln für gute Recherche aber nicht.

DATEN-JOURNALISMUS

Der Daten-Journalismus, besser: Data Driven Journalism, kennt in der Regel zwei Spielarten: Zum einen die Auswertung öffentlich zugänglicher Informationen und Datenbanken, um darüber in Form von Texten oder Infografiken zu berichten. Zum anderen die Analyse von Daten, die von Whistleblowern wie im Fall der Panama Papers oder LuxLeaks Journalisten zugespielt worden sind. Aufgrund der zum Teil riesigen Datenmengen arbeiten oft internationale Journalisten-Teams an deren Auswertung.

MOBILER JOURNALISMUS

Auch dieser Terminus bezeichnet eigentlich zwei unterschiedliche Dinge: Auf der einen Seite die Aufbereitung journalistischer Inhalte für mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets, auf der anderen Seite geht es um Mobile Reporting, wie es im angelsächsischen Bereich genannt wird. Die Berichterstattung erfolgt mittels mobiler Geräte. Fotos und Videos werden beispielsweise mit dem Smartphone erstellt, am Tablet geschnitten und sofort online gestellt.

Das Interview erschien ursprünglich in unserem Whitepaper „Recherche 2018: Mit visuellen Storys in die Medien“. Hier geht’s zum kostenfreien Download.

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