Beim Thema Digitalisierung geht es längst nicht mehr darum, analoge Prozesse umzukrempeln und neue Technologien einzusetzen. Vielmehr müssen wir Unternehmenskultur insgesamt digital denken. Was bedeutet das für das Management? Antwort: Connected Leadership. Von Ibrahim Evsan

Digitalisierung bedeutet mehr als eine Homepage zu haben und seine Mitarbeiter mit Smartphones auszustatten. Wir stehen heute vor der übergreifenden Aufgabe, unsere Konzepte von Unternehmensführung und Management an das digitale Zeitalter anzupassen. Wir müssen Menschen und Systemen miteinander vernetzen. Connected Leadership ist deshalb ein zentrales Skill für Manager und Führungskräfte.

Ibrahim Evsan connected leadership

Ibrahim „Ibo“ Evsan ist Experte für Connected Leadership, Social Trademarks, Big Data und New Work. Er ist Gründer der Unternehmen sevenload, Fliplife und Social Trademark. Foto: Christoph Kassette

Warum Manager heute Social Media nutzen und verstehen müssen

Kunden, Mitarbeiter, externe Experten, potenzielle Talente, Geschäftspartner oder die eigenen Konkurrenten – sie alle nutzen die unterschiedlichsten Social-Media-Plattformen, um ihre Netzwerke zu erweitern, Kunden und Mitarbeiter zu finden oder sich als Personenmarke zu präsentieren. Dieser Realität müssen sich Führungskräfte heute nicht nur stellen – sie sind aufgefordert, das darin steckende Potenzial für ihr Unternehmen zu nutzen. Denn Social Media als Teilaspekt von Connected Leadership und digitaler Transformation zu begreifen, hat weitreichende Konsequenzen und geht weit über Facebook und Twitter hinaus.

Es geht darum zu begreifen, dass Sales heute Social Selling bedeutet, und dass Kundengewinnung, Kundenbindung und Kundenzufriedenheit ohne eine in den Social Media verankerte Customer Journey nicht mehr zu denken ist. Ein Hotel, das zwölf schlechte Bewertungen von Kunden auf Yelp & Co. bekommt, wird reale Umsatzeinbußen verzeichnen. Die Online-Reputation spielt auch für Unternehmen als Arbeitgeber eine Rolle. Mitarbeiter bewerten Firmen auf Kununu und suchen ihre zukünftigen Arbeitgeber auf LinkedIn. Unternehmen, die dort nicht mit einem gelungenen Auftritt vertreten sind, haben beim “War for Talents” schlechte Karten.

Führungskräfte müssen Digital Leader werden

Die Digitalisierung verändert unser Informationsverhalten, unser Konsumverhalten, unser Kommunikationsverhalten und unsere Wahrnehmung grundlegend. Dabei erleben wir heute erst die Anfänge von einer umfassenden Transformation. Führungskräfte müssen daher schnellstmöglich den Wert von Daten (Big Data), Connection (APIs) und neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI) erkennen und mit der Verwandlung von Daten in Werte beginnen. Die Wettbewerbsvorteile, die sich daraus ergeben, können jedoch nur die Digital Leader nutzen, die frühzeitig eine digitale Infrastruktur aufgebaut haben. Eines muss dabei klar sein: Eine digitale Infrastruktur, die nicht „connected“, also konsequent auf Vernetzung ausgelegt ist, ist eine veraltete Infrastruktur.

Connected Leadership Ibrahim Evsan

Digitalisierung verändert Kommunikation: Ohne konsequente Vernetzung haben Unternehmen keine Zukunft.

 

Digital Leader müssen Technik und Tools beherrschen

Die Führungsaufgaben und die -fähigkeiten, die Manager heute zu erfolgreichen Unternehmenslenkern machen, sind andere als noch vor wenigen Jahren. In einem agilen Unternehmen arbeiten die Menschen in hybriden Teams, nutzen Kollaborationsplattformen und Cloud-basierte Lösungen, um connected zu sein. Im Zeitalter von New Work kommt es dadurch immer mehr zu einer Abkehr von der Präsenzkultur und dem 9-to-5-Arbeitstag. Digital Leader müssen daher verstehen, wie die neuen Technologien und Tools funktionieren, um sie für ihre Zwecke einzusetzen und Auswirkungen abschätzen zu können.

Mit API-Management zum agilen Unternehmen

Was wir in den letzten Jahren mit den Entwicklungen im Bereich Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0 beobachten können, ist eine zunehmende Vernetzung. Die neuen Treiber sind Trends wie zum Beispiel mobile Anwendungen, Chatbots und künstlich-intelligente Systeme wie IBMs Watson. All diese Maschinen und Services sind ein Teil des Konzepts von Connected Leadership. Führungskräfte müssen verstehen, wie sie diese Systeme automatisieren, in ihre Business-Prozesse integrieren, für sich nutzen und arbeiten lassen können. Ein wichtiger Schlüssel dazu lautet: API-Management. Die neuen Technologien verändern nicht nur die Geschäftsmodelle von Unternehmen und steigern Umsätze und Kundenzufriedenheit. Durch die Nutzung solcher Systeme verändert sich auch die gesamte Führungskultur. Führung in einem digital vernetzten Unternehmen bedeutet, diese Tools und Services zu nutzen, um das eigene Unternehmen konsequent zu connecten, damit neue Ideen und agile Arbeitsweisen entstehen.

„Connect yourself or die“

Unternehmen aller Branchen müssen heute den Weg der digitalen Transformation beschreiten: Nicht nur besetzen die großen Konzerne wie Amazon, Google und Facebook immer mehr Geschäftsbereiche. Allein schon aufgrund der zahlreichen Vorteile, die sich durch die Digitalisierung bieten, lohnt es sich, die eigenen Geschäftsmodelle und die internen Geschäftsprozesse auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Die Zukunft ist digital, sie ist Connected und sie ist komplex. Um alle Herausforderungen, die sich auf dem Weg zu einer digitalen Company stellen, zu meistern, muss die Transformation von der Unternehmensspitze ausgehen. Genau dafür steht die Idee von Connected Leadership. Denn am Ende gilt: „Connect yourself or die.“

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in unserer aktuellen TREIBSTOFF-Ausgabe. Hier gehts zum Download.

TREIBSTOFF 10/17

TREIBSTOFF Ausgabe 10/17 als PDF  herunterladen.

Themen der Ausgabe 10/17:

  • „Die Macht der Körpersprache“: Was wissen wir über nonverbale Kommunikation und wie gelingt ein wirkungsvoller Auftritt?
  • „Connected Leadership: Management in digitalen Zeiten“: Ibrahim Evsan über Management-Skills und Vernetzung
  • „Brennpunkt Journalismus – Was Journalisten in Deutschland heute bewegt“: die Ergebnisse des Medien-Trendmonitors – der großen Journalistenumfrage von news aktuell
  • „Politik-PR: Nüchternheit versus Emotion“: Mit welchen kommunikativen Strategien gehen Angela Merkel und Martin Schulz in den Wahlkampf? Interview mit Politikberater Cornelius Winter (365 Sherpas)
  • „PR-Profis der Zukunft“: Welche Kompetenzen braucht der Kommunikationsprofi von morgen?

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