Behörden haben oft mit einem verkrusteten Image zu kämpfen. Die Bundeswehr setzt bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit deshalb verstärkt auf Social Media. Eine wichtige Rolle spielen dabei Bilder. Mit einer emotionalen Bildsprache wollen die PR-Verantwortlichen den Bürgern die Arbeit der Sodatinnen und Soldaten nahe bringen. So etwa mit dem Bild der jungen Soldatin, die ihre dreijährige Tochter am Bahnhof begrüßt. Das zehntausendfach gelikte Instragram-Foto schaffte es auf die Shortlist des diesjährigen PR-Bild Award. TREIBSTOFF sprach mit Andrea Bienert, Leiterin der Bildredaktion bei der Bundeswehr. Ein Gespräch über Authentizität, Gefühle und die Rolle der Frauen in einer traditionell männlichen Institution. 

TREIBSTOFF: Wie ist das Foto entstanden? Und welche Geschichte erzählt es?

PR-Bild Award Bundeswehr Andrea Bienert

Andrea Bienert leitet die Bildredaktion der Bundeswehr. Foto: Tom Twardy

BIENERT: Das Foto ist am 20. April 2017 bei einem Fotoshooting mit Oberbootsmann Jule Peltzer – 28 Jahre – und ihrer dreijährigen Tochter zum Thema „Muttertag“ entstanden. Die kreative und organisatorische Umsetzung des Themas lag allein in der Hand meines Fotografen. Er hat sich zuerst eine Fotogenehmigung bei der S-Bahn geholt, Blumen für das kleine Mädchen gekauft und sich bewusst für eine echte Familie entschieden, damit die Bilder trotz Inszenierung so authentisch wie möglich wirken. Meine Fotografen und ich treffen bei unserer Arbeit immer mehr auf Soldatinnen, die auch Mütter sind und die auf Übungen oder in Einsätze gehen. Eine Begrüßung an einem vollen Bahnhof gehört auch zum Berufsalltag einer Soldatin.

Um die besondere Atmosphäre im Bild einzufangen, hat der Fotograf mit einer 50 mm Festbrennweite mit maximaler Blendenöffnung von 1,2 gearbeitet. Der Bahnhof sollte belebt sein, aber die anderen Menschen in der Unschärfe verschwinden. Der Blick des Betrachters wird ausschließlich auf die Soldatin mit ihrer Tochter gerichtet. Die Persönlichkeitsrechte der anderen Personen bleiben gewahrt. Dieses Bild ist eines aus einer Serie, bei der die Tochter freudig in die Arme der ankommenden Mutter läuft. Mich berührt dieses Bild, da die Emotionen der Protagonisten echt sind.

TREIBSTOFF: Für welche Zwecke haben Sie das Bild eingesetzt und welche Resonanz gab es?

BIENERT: Das Bild wurde als Themenbild zum Muttertag auf dem Bundeswehr-Instagram-Account gepostet. Das Bild hat bis jetzt über 12.312 Likes erhalten. Es ist somit eines der fünf beliebtesten Fotos des Bundeswehr-Instagramkanals. Es gab über 12.000 Interaktionen und 70.000 User haben das Bild auf ihrem Insta-Account gesehen. Die Reaktionen auf das Bild waren ausnahmslos positiv – verbunden mit guten Wünschen, Danksagungen an die Soldaten und Emojis. Es gab sehr viel persönliches Feedback. Nun steht das Foto in der Mediendatenbank der Bundeswehr anderen Medien zur Verfügung.

TREIBSTOFF: Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr?

BIENERT: Wir – die Redaktion der Bundeswehr – sind bei Facebook, Instagram und YouTube vertreten. Täglich bespielen wir diese Kanäle. Unser Social-Media-Team ist an sieben Tagen der Woche für die Community da. Zusätzlich zum Facebook-Hauptauftritt, der in der Redaktion der Bundeswehr angesiedelt ist, gibt es regionale Facebook-Auftritte der einzelnen Landeskommandos, sowie den der Karriereberatung und projektorientierte Kampagnenseiten.

TREIBSTOFF: Wie hat sich die Rolle der Frau bei der Bundeswehr in den letzten zehn Jahren verändert?

BIENERT: In den letzten Jahren haben meine Fotografen immer mehr Soldatinnen fotografiert – quer durch alle Teilstreitkräfte und in den unterschiedlichsten Verwendungen. Wir zeigen sie im Routinedienst und in Auslandseinsätzen. Auch in meinem Fotografenteam habe ich zwei Soldatinnen, die trotz weltweiter Reisen Familie und Dienst managen. Davor ziehe ich echt meinen Hut.

TREIBSTOFF: Was sollten Institutionen wie die Bundeswehr bei Bild-PR unbedingt beachten, was vermeiden?

BIENERT: Als Leiterin der Bildredaktion der Redaktion der Bundeswehr müssen für mich Fotos authentisch sein. Sie sollen möglichst nah am Geschehen in reellen Situationen und Szenarien entstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Ausbildung, eine Übung oder den Berufsalltag eines Soldaten am Standort zuhause, im Ausland oder im Einsatz handelt. Die Bilder sollen für sich sprechen und eine Geschichte erzählen. So vermitteln sie dem Betrachter Einblicke in die verschiedenen Bereiche, Fähigkeiten und Aufgaben der Bundeswehr.

Bildretusche im digitalen Zeitalter durch zum Beispiel Photoshop ist nur soweit erlaubt, wie es früher im Labor auch möglich gewesen ist. Bildaussagen dürfen durch die Bearbeitung nicht verfälscht werden. Nur so bleiben wir für die Betrachter glaubwürdig.

 

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