Ali Alabbar Behind the scenes bei news aktuell

Zwischen Sprachkurs, Arbeit und Ämtern: Erst vor drei Jahren gelangte Ali Alabbar auf einer lebensgefährlichen Reise von Damaskus übers Mittelmeer nach Deutschland, das ihm Asyl gewährte. Heute bereichert er unser Empfangsteam. In der Reihe Behind the scenes bei news aktuell stellen wir in unregelmäßigen Abständen Mitarbeiter und ihre Geschichte vor. „Einen besseren Sprachkurs als die Arbeit am Empfang gibt es eigentlich nicht“, sagt der Syrer. Täglich saugt er Redewendungen auf, die er sich vom Team erklären lässt. „Hau rein“ ist so ein Fall.

news aktuell: Was machst Du bei news aktuell?

Alabbar: Ich war zunächst Praktikant in der Buchhaltung. Jetzt arbeite ich am Empfang mit Thorina zusammen. Ich bearbeite die eingehende Post, verteile diese an die Mitarbeiter und trage Kundentermine, mobiles Arbeiten sowie Abwesenheiten ein. Darüber hinaus gibt es viele kleine Dinge, die täglich anfallen. Wir sind die Ansprechpartner, wenn es um Raumbuchungen, defekte Heizungen, Pakete, Sojamilch und so weiter geht.

news aktuell: Wie gefällt Dir die Arbeit bei news aktuell?

Alabbar: Die Arbeit am Empfang ist vielfältig und herausfordernd. Man wird immer wieder mit neuen und unterschiedlichen Situationen konfrontiert, so dass einem nicht langweilig wird. Toll fand ich auch, wie herzlich ich von den Mitarbeitern aufgenommen wurde. Ich wurde gleich in die Kicker-Gruppe bei Slack eingeladen und gehe regelmäßig mit den Kollegen Mittag essen.

news aktuell: Wie ist dein beruflicher Werdegang?

Alabbar: Ich habe in Damaskus Wirtschaft studiert und mich auf die Bereiche Reisen und Tourismus spezialisiert. Es war allerdings nicht so einfach, eine Anstellung in diesem Bereich zu finden. Deshalb war ich nach meinem Studium als Buchhalter in einem Betrieb für Holzverarbeitung tätig.

news aktuell: Du lebst seit drei Jahren in Deutschland, kommst ursprünglich aus Syrien. Was war für Dich die größte Herausforderung in einem neuen Land?

Alabbar: Alles (lacht). Aber die größte Herausforderung war es, plötzlich alleine und ohne meine Familie in einem fremden Land zu sein. Es gab viele einsame Momente für mich, gerade weil auch der kulturelle Unterschied zwischen Syrien und Deutschland sehr groß ist. In Syrien habe ich meine Familie täglich gesehen, wir haben zusammen gegessen und einen Großteil der Freizeit miteinander verbracht. Wir haben eine sehr starke Bindung zu unserem Elternhaus und verlassen dieses meist erst nach der eigenen Hochzeit.

Außerdem war die Sprache eine Herausforderung – bzw. war mir zunächst nicht die Möglichkeit gegeben, Zugang zu gutem Deutschunterricht zu erhalten.

news aktuell: Was ist für Dich typisch deutsch?

Alabbar: Die Bürokratie! Bei Terminen gibt es sehr lange Wartezeiten. Es ist nicht möglich, wenn man Zeit hat, zum Beispiel zum Amt oder zum Arzt zu gehen und zu warten, bis jemand Zeit hat. Man braucht für alles einen Termin, das ist manchmal echt anstrengend.

news aktuell: Hand auf´s Herz: Ist die deutsche Sprache wirklich so schwer wie man immer sagt?

Alabbar: Es ist schon schwer, aber am schwierigsten war es, einen guten Kurs beziehungsweise guten Unterricht zu bekommen. Ich mache jetzt einen Abendkurs, bei dem bis vor kurzem die Lehrer fast wöchentlich gewechselt haben. Einmal mussten wir den ganzen Abend im Buch lesen. So sieht für mich kein guter Unterricht aus. Aber ich habe auch eine Frage. Was bedeutet „Hand aufs Herz“?

news aktuell: Das ist eine Redewendung die bedeutet, seine Meinung überzeugend und ehrlich zu sagen.

Alabbar: Ach so! Ja, wie gesagt ist es schon schwer, aber mittlerweile habe ich einen guten Lehrer. Die Umgangssprache ist allerdings auch eine Herausforderung. Neulich meinte ein Kollege: „Hau rein“ als er nach Hause gegangen ist, da wusste ich ehrlich gesagt auch nicht genau, was ich antworten sollte.

news aktuell: Wie entspannst Du am besten?

Alabbar: Ich entspanne am besten zu Hause, wenn ich in meiner eigenen Wohnung bin und mir alte Bilder von meiner Familie und mir anschaue. Ich habe jetzt seit zwei Monaten eine eigene Wohnung, davor war ich in einer großen Unterkunft und habe mir ein Zimmer mit zwei anderen Männern geteilt. Da waren Entspannung und Ruhe nicht immer möglich. Es ist wirklich toll, eine eigene Wohnung zu haben. Außerdem bin ich gerne im Fitnessstudio und baue dort Stress ab.

news aktuell: Wer ist für Dich ein Held/eine Heldin?

Alabbar: Meine Mutter und mein Vater sind Helden für mich. Sie haben mir beigebracht, meinen Mitmenschen mit Respekt zu begegnen und keine Angst vor neuen Herausforderungen zu haben.

Hier in Deutschland gibt es drei Leute, die für mich Helden sind: Meine gute Freundin Anette, die mir sehr geholfen hat, endlich eine Wohnung zu finden. Mein Freund Cai, der mich immer mit zum Sport, zu Freunden oder auch einfach nur mit rausgenommen hat, egal, ob mir danach war oder nicht. Er hat mich wirklich vor der Einsamkeit gerettet. Und zu guter Letzt: Sabine. Sie hat mir das Praktikum bei news aktuell vermittelt, mir bei der Wohnungssuche und vielen anderen Dingen geholfen.

 

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