Alt und Jung in der PR

In der heutigen Arbeitswelt treffen erstmals drei Generationen aufeinander. Das birgt Konfliktpotenzial. Wie verhält es sich im PR-Alltag mit Diversity? Welche Probleme gibt es und wie können Lösungen aussehen? TREIBSTOFF hat bei Babyboomern und den Generationen X und Y nachgefragt.

Young Professionals sind dynamisch, belastbar und voller neuer Ideen. Alte Hasen bringen viel Gelassenheit und einen großen Erfahrungsschatz mit in den Job. Über diese Stereotypen stolpern wir immer wieder, wenn es um Alt und Jung im Job geht. Doch in jedem Klischee steckt auch ein wahrer Kern. Das sagt zumindest Thomas Mickeleit. Der Chefkommunikator von Microsoft Deutschland gehört mit seinen 59 Jahren zu den sogenannten Babyboomern.

Kreativität, Gelassenheit oder Belastbarkeit sind aber keine Frage des Alters, sondern abhängig von der individuellen Persönlichkeit und den jeweiligen Kompetenzen – so der Tenor in allen Altersgruppen. Die 29 Jahre junge Anna Blässer, Kommunikationsmanagerin bei Save the Children und Vertreterin der Generation Y beschreibt es so: „Wenn es um neue Trends geht, sind auch ältere Kollegen oft unerfahren. Hier kann die jüngere Generation unterstützen, die in diesem Bereich oft gelassener und erfahrener ist.“

Das Alter an sich ist nicht der Grund für Konflikte – darüber sind sich alle Befragten einig. Eher sorgen die unterschiedlichen Bedürfnisse von Jung und Alt für Reibungen. Börlind-Kommunikationschefin Silva Imken gehört mit ihren 47 Jahren zur Generation X und steht damit zwischen den Jungen und den Alten: „Ältere haben ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Jüngere sind offener für Neues. Jedoch können ihnen Veränderungsprozesse oft nicht schnell genug gehen. Das birgt die Gefahr, dass Entscheidungen unüberlegter getroffen werden.“ Daher, so Imken, könne es Konflikte geben, wenn Ältere auf bestehende Prozesse beharren, weil es „immer schon so war“. Aber auch, wenn Jüngere meinen, aufgrund ihres Hochschulstudiums zu wissen, wie alles geht.

Kreativität, Gelassenheit oder Belastbarkeit sind keine Frage des Alters, sondern abhängig von der individuellen Persönlichkeit. Klick um zu Tweeten

Viele Unternehmen setzen inzwischen auf (alters)gemischte Teams. Voraussetzung für erfolgreiche Diversity sind Empathie und der wertschätzende Umgang miteinander, so die Befragten. Pina Kehren ist Kommunikationsmanagerin bei Microsoft und hat mit ihren 36 Jahren schon einige Erfahrung mit älteren wie mit jüngeren Kollegen: „Das bedeutet, sich zum einen auf neue und vielleicht zunächst unbequeme Vorschläge und Arbeitsweisen einzulassen. Aber auch nicht alles, was sich in der Vergangenheit bewährt hat, per se als outdated abzutun. Ein gesundes Maß an Reibung ist absolut ok, wenn es zum bestmöglichen Ergebnis als Team führt und nicht zur Profilierung Einzelner.“ Anna Blässer von Save the Children spitzt zu: „Keiner darf im Team aufgrund seines Alters ‚abgestempelt’ werden. Junge, unerfahrene Kollegen müssen ernst genommen und ältere Kollegen dürfen nicht ausgeschlossen werden.“

Empathie und Wertschätzung sind Voraussetzung für erfolgreiche Diversity. Klick um zu Tweeten

Damit ein konstruktives Miteinander von Jung und Alt gelingt, müssen Unternehmen eine Umgebung schaffen, die auf die jeweiligen Stärken und Bedürfnisse der Mitarbeiter eingeht. „Flache Hierarchien können helfen, Mitarbeiter über ihre Kompetenz zu fördern. Unabhängig vom Alter sind sie dann in einer fachlichen Führungsrolle“, empfiehlt Alexandra Groß. Die 47-Jährige ist Vorstand bei Fink & Fuchs.

Neben strukturellen Maßnahmen sollten die Unternehmen aber auch unbedingt auf generationsspezifische Bedürfnisse eingehen. Für die Jungen wie den 28-jährigen Jan Christoph Bohnerth von WMP EuroCom gehören dazu flexible Arbeitszeitmodelle für Mitarbeiter mit Kindern, oder die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten. Babyboomer Thomas Mickeleit führt noch weiter aus: „Uni-Absolventen brauchen Hilfe, ihr Netzwerk im Unternehmen zu entwickeln. Wer in der Erziehungszeit ist, möchte den Kontakt zu den Kollegen nicht verlieren und wer am Ende seiner beruflichen Karriere steht, freut sich vielleicht über sportmedizinische Angebote.“

Alt und Jung in der PR Microsoft Mickeleit Kehren Bauer

Bei Microsoft setzt man auf altersgemischte Teams(v.l.n.r.): die beiden Kommunikationsmanagerinnen Bianca Bauer (28) und Pina Kehren (36) sowie Chefkommunikator Thomas Mickeleit (59). Foto: Microsoft

Formate wie Mentoren- oder Traineeprogramme fördern den gezielten Austausch zwischen Alt und Jung. Aber auch andere Angebote schaffen Raum fürs Lernen. Die PR-Agentur JP KOM etwa setzt auf feste Termine wie die ‚Exchange of Excellence Days’ oder offene Formate wie ‚Lunch and Learn’ oder ‚Tool Talk’. „Bei letzterem stellen Seniorberater jüngeren Mitarbeitern ihr gesammeltes Toolwissen und deren Anwendung vor“, erklärt der 31-jährige Manuel Wecker, Grouphead bei JP KOM.

Wenn Führungskräfte die unterschiedlichen Arbeitsstile der Generationen anerkennen und wertschätzen, sind alle Beteiligten motiviert. Unternehmen müssen einen funktions- und hierarchieübergreifenden Austausch fördern, und zwar ganzjährig, lösungsorientiert und geprägt durch Fairness, Offenheit und aktives Zuhören über alle Altersstufen hinweg. Denn, so das Fazit: Erfolg kennt kein Alter.

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Dieser Beitrag erschien ursprünglich in unserer aktuellen TREIBSTOFF-Ausgabe. Hier gehts zum Download.

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Themen der Ausgabe 12/18:

  • Alt versus Jung: Wie verhält es sich im PR-Alltag mit Diversity? Ein nicht repräsentatives Stimmungsbild von Babyboomern und den Generationen X und Y.
  • PR-Hackathon 2018: Erfolgsfaktor Vielfalt. Wie sehen die weiblichen Hackathon-Teilnehmer ihre Rolle als Frau und was empfehlen sie dem Nachwuchs?
  • Qualitätssiegel für gute Inhalte: Wie funktioniert die neue Medieninitiative „Trust Project“?
  • A new star is born: Die wichtigsten Dos and Don’ts bei Promi-PR
  • Vernachlässigte Reputation: Warum wird der gute Unternehmensruf in den Kommunikationsabteilungen stiefmütterlich behandelt? Ein Erklärungsversuch.
  • Netzwerken macht erfolgreich: Was ist dran an der nicht mehr so neuen Geheimwaffe? Ein Plädoyer von Cornelia Kunze, Vorsitzende des Netzwerks „Global Women in PR Deutschland“ (GWPR)
  • Visuelle PR: Megatrend statt Modeerscheinung. news aktuell hat ein neues Whitepaper veröffentlicht.

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