Der Start von Blendle hat in der Medienbranche jede Menge Staub aufgewirbelt. Die Niederländer werden schon als Retter des Journalismus gefeiert. Aber auch Skepsis ist zu hören. Was kann Blendle also wirklich? Wie fühlt sich das neue Zeitunglesen an? TREIBSTOFF macht den Test.

Das Tollste vorab: Blendle schenkt jedem Nutzer 2,50 Euro. Das ist nett, aber natürlich in erster Linie zum Anfüttern der Neulinge gedacht. Auf jeden Fall erklärt das Umsonstbudget hervorragend, wie der digitale Kiosk funktioniert. Die User Experience ist deshalb auch von Anfang an wunderbar. Es bleiben kaum Fragen offen. Und das ist schon einmal ein sehr guter Anfang.

Zeitungen und Zeitschriften

Blendle wurde in den Niederlanden erfunden und genoss von Anfang an viel Aufmerksamkeit in der deutschen Verlagswirtschaft. So löblich und richtig Bezahlschranken für hochwertige Inhalte auch sein mögen, eine abschließende und vollständige Antwort auf wegbrechende Printerlöse werden sie nie sein. Zu kompliziert, zu abschreckend. Blendle kommt dagegen wesentlich geschmeidiger daher.

Einzelne Artikel oder ganze Ausgaben von Spiegel, Zeit, Stern und Co laden zum Stöbern und Lesen ein. Die Teaser sind appetitanregend gestaltet, man ahnt, was man bekommt. Gleiches gilt für die Startseite, die der User nach eigenen Themen gestalten kann. Das funktioniert auf dem Desktop wunderbar, genauso wie in der App. Überhaupt ist hier die Verheiratung von Print, Online und Mobile beeindruckend gelöst. Das macht Mut und lässt hoffen, dass Blendle die erste Phase der Euphorie überlebt und zu einem ernsthaften Player in der Medienbranche wird.

Blendle: Artikelübersicht

 

Eigentlich ist Blendle ideal. Eigentlich. Es bleibt allerdings die Frage, ob die Leser von morgen und übermorgen überhaupt das Prinzip Zeitung oder Zeitschrift so klar verstehen, dass sie bereit sind, im Internet Geld für Einzelartikel auszugeben. Wie stark wird die “Umsonstkonkurrenz” mittelfristig sein? Wird die Medienkompetenz der Generation YouTube ausreichend ausgeprägt sein, um fundiert zwischen “guten kostenpflichtigen” und “schlechten kostenfreien” Angeboten unterscheiden zu können? Und will das der Leser von morgen überhaupt?

Wir werden sehen. Auf jeden Fall hat Blendle den Mut, ungewöhnliche Wege zu gehen. So kann man einen Artikel unkompliziert zurückgeben, obwohl man ihn bereits gelesen hat. Einfach so. Das ist sehr sympathisch und ein starkes Signal an den Leser. Blendle hat großes Potenzial. Hoffen wir, dass viele Leser das erkennen und belohnen.

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