Gratiskultur, Paywalls, iPad – Weisse Ritter dringend gesucht
Die Zeichen für die gute alte Papierzeitung stehen schlecht. Der Journalismus als Profession hat sich stark geändert, die Trennung zwischen PR-Schaffenden und Journalisten ist doch erheblich aufgeweicht und damit wurde auch eines seiner Kennzeichen (Unabhängigkeit) beschädigt.
Menetekel an der Wand. Sind die Zeitungen (Verlage) die Werften oder der Bergbau der 2010er-Jahre? Befindet sich eine Branche am Abgrund?
Das besondere an der Branche ist die Verquickung zwischen dem Anspruch als Vierte Gewalt und den wirtschaftlichen Zwängen. Häufig genug wird schamhaft darüber hinweg gesehen, dass Werbekunden Zeitungen finanzieren und nicht etwa nur Leser. Das vereinfacht nicht gerade die Lösung. Unabhängigkeit und Werbekunden sind keine gute Allianz. Unabhängigkeit kann jedoch nur erreicht werden, wenn genügend Menschen Inhalte für einzigartig, unverwechselbar, eigenständig – und eventuell bezahlenswert halten.
Verlage = Druck und Papier
Kosten für Druck und Papier entfallen bei vollständiger Digitalisierung
Der Verzicht auf die Kosten für Druck und Papier scheint mir doch eine bessere Idee zu sein, als weiterhin die Produzenten von Inhalten zu entlassen. Das physische Papier als Medium der Kommunikation ist abgelöst worden von einer digitalen Welt, in der die Bereitstellung von Inhalten über Handy, Tablet oder Computer für den Leser nicht nur gut funktioniert, sondern auch visuell atemberaubend sein kann. Und genau in der Visualisierung liegt auch eine große Chance Inhalte anders, besser, genauer zu transportieren und neue auch damit Leser zu binden.
Kein deutsches Phänomen
Während in ganz Europa über das Zeitungssterben diskutiert wird, arbeiten Manager im anglo-amerikanischen Raum ganz pragmatisch und fast ausschließlich unter ökonomischen Gesichtspunkten an Veränderungen und am Überleben ihrer Verlage. In den Debatten wird selten über den Journalismus als Gewerbe gesprochen, keiner glaubt, dass der Journalismus in der digitalen Welt verloren ist. Das Augenmerk liegt eher auf den neuen Herausforderungen und Chancen. Ein positiver Impetus.
Möglicherweise ist es einfach nur eine gute Idee Journalismus so wertvoll und einzigartig zu machen, dass Leser bereit sind für Premium Inhalte zu zahlen. Apple mag ein gutes Beispiel dafür sein, dass es durchaus einen Markt für eine wertvolle Marke gibt… dann klappt’s auch mit der Werbung.