Abarbeiten am Fernsehen
Eine interessante Diskussion gab’s im Rahmen des Medienmagazins ZAPP am 27.08.2012 beim NDR. Wie sieht die Zukunft des Fernsehens aus? TV Macher reagieren irgendwie uncool und gereizt auf as Totengerede der Webvideoavantgarde. Die Avantgarde regt sich dann über die vernagelten TV Macher auf, die nix kapieren, immer noch an linear glauben und von kreativen YouTubern noch nie etwas gehört geschweige denn Notiz genommen haben.
Das hat manchmal schon etwas von religiösem Eifer. Deshalb glaube ich auch, dass diese Diskussion nichts bringt. Bei Gullivers Reisen bekriegen sich zwei Völker, weil sie sich nicht darüber einigen können, ob man Eier beim Frühstück auf der spitzen oder auf der stumpfen Seite aufschlägt. Soweit wollen wir es nicht kommen lassen. In den nächsten zehn Jahren werden wir sehen, was passiert. Ganz sicher bin ich mir, dass on demand gewinnen wird. Mit welchen Inhalten ist mir dann eigentlich völlig egal. Am Ende wird es die Werbewirtschaft entscheiden, wohin sie ihr Geld steckt. Und wenn die klassisch-linearen Angebote mit ihren Formaten und Inhalten die Zielgruppen in der gewünschten Breite und Tiefe nicht mehr liefern, werden die Etats umgeschichtet.
Hier gibt’s den Beitrag im Moment noch in der Mediathek: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/zapp5627.html .Und hier auf YouTube gibt’s eine Art Trailer zur Diskussion
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ist.
Am ehesten konkurriert das Fernsehen mit seinem Reichweitenfetischismus mit erfolgreichen generischen Unterhaltungsformaten auf YouTube und anderen Videoplattformen. Das ist dann aber auch wieder nur ein kleiner Auschnitt dessen, was beim Bewegtbild im Netz passiert.
Markus Hündgen
Das weniger bis nichts mit religiösem Eifer zu tun, als eine bornierte Sturheit, Fakten nicht anerkennen zu wollen. Ist Fernsehen tot? Ja und nein. Noch läuft es wie ein Klepper auf den letzten 100 Metern. Aber schon jetzt ächzt die Branche. Weder SocialTV noch YouTube werden die Retter oder gar die Zukunft sein. Aber zu erkennen, dass der Klepper sich nur tot in die nächste Runde rettet, würde uns allen die Diskussion über eine Zukunft des Bewegtbildes erleichtern.
Thomas Wagensonner
Ich bin nicht überzeugt, dass es für die Entwicklung von Bewegtbild entscheidend ist, wenn die klassischen TV-Macher einsehen, dass ihr derzeitiges Modell so nicht dauerhaft funktioniert. Wobei ich nicht einmal sicher bin, dass man alles, was da linear über das Endgerät Fernseher flimmert, über einen Kamm scheren kann. Welche Dynamik soll das freisetzen?
Ich denke auch, dass die Rundfunkanstalten mittelfristig nicht die Innovationstreiber von Bewegtbild im Netz sein werden. Die Diskussion zeigte ja auch ganz deutlich, dass der vermeintlich tote Gaul zumindest ein verdammt hohes Ross ist. Letztendlich ist es mir dann aber egal, was die TV-Leute sagen, weil es für die Entwicklung von Bewegtbild im Netz aus meiner Sicht relativ irrelevant ist.
Am ehesten konkurriert das Fernsehen mit seinem Reichweitenfetischismus mit erfolgreichen generischen Unterhaltungsformaten auf YouTube und anderen Videoplattformen. Das ist dann aber auch wieder nur ein kleiner Auschnitt dessen, was beim Bewegtbild im Netz passiert.