Noch einmal LandKind sein?
Wer „raus“ will, kann sich derzeit über alle Facetten des Landlebens oder der Sehnsucht danach ausleben und in entsprechenden Magazinen schmökern. Landtitel sind begehrt und erleben sprichwörtlich eine Blütezeit. Von Deko & Wohnen über Gärtnern & Handwerk bis zum ökologischen Anbau. Die Themen interessieren. Weil sie dem eigenen Wohlbefinden dienen und zu neuem respektive altem Lebensgefühl anregen.
Aus dem Hause Panini kam nun ein weiteres Landmagazin mit gänzlich neuen Konzept und einer neuen Zielgruppe auf den Zeitschriftenmarkt. „Erstmals können sich Eltern und Großeltern auf ein Heft freuen, das Landthemen in Bezug zu Kindern stellt“, so der Verlag. „LandKind – Landglück für die ganze Familie“ soll es also sein.
Was muss ich tun, um diesen Titel zu verstehen? Ich stelle mir einfach vor, ich bin weder Kind noch „Eltern“ oder „Großeltern“ und nehme mir heraus in der LandKind zu blättern. Weiter habe ich kein Haus, Garten oder Kräuterbeet – bin aber neugierig auf die neue Lust aufs Land.
Das Anlesen löst eine Nostalgie in mir aus: Die kleine Kirschkunde lässt mich ans Kirschkernspucken im Badeanzug mit den Nachbarskindern zurückversetzen; die schönsten Spiele aus Omas Zeiten sind nicht in die Jahre gekommen – Plumpsack, Räuber und Gendarm sowie Fischer, wie tief ist das Wasser? kommen einem wieder ins Gedächtnis.
Das sind schöne Gedanken an vergangene Tage, aber nicht die einzigen Reaktionen auf LandKind. Vielmehr erwische ich mich als alten Floralbanausen vertieft in den Berichten über Sonnen- und Ringelblumen, Lavendel oder Johannisbeeren und deren vielfältige Nutzung. Die gemeinsamen Familienprojekte, wie der Herstellung von Kräuterölen aus dem eigenen Garten, empfinde ich als so herrlich simpel, dass sich meine häusliche Basilikumpflanze bereit zur Ente machen kann.
Eltern, Kinder und auch ich erfahren „Wissen aus alter Zeit“ in einer Schreibweise, die gleichermaßen für Jung und Alt ansprechend präsentiert wird. Auch wenn wir heutzutage nicht mehr das Gemüse vom Sommer für den Winter haltbar machen müssen, ist es doch spannend in Großmutters Geheimnisse der perfekten Vorratshaltung eingeweiht zu werden.
Das beigelegte Extraheft für Kinder mit thematisch passenden Ausmalbildern, Rätsel und Basteltipps ergänzt schließlich das Konzept der Zeitschrift für die ganze Familie.
Ich bin angetan von einem Titel, dessen Zielgruppe ich heute einfach mal fiktiv nicht entspreche. Ein wenig erinnert mich die LandKind an das Konzept der „Sendung mit der Maus“. Ich bin weder Kind noch „Eltern“, aber schalte nach wie vor gerne ein. Ob es diesem Nischentitel gelingt seinen Platz im Zeitschriftenmarkt nachhaltig zu besetzen bleibt abzuwarten. Ein gelungenes Experiment ist es allemal.
Kleiner Tipp! Die Steckbriefe aller neuen Landtitel aus 2012 finden Sie auch in unserem fortlaufend aktualisiertem Kiosk der Neuerscheinungen powered by epic relations.
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