Das Netz vergisst nichts / Nachtrag zum Thema Korrekturen und Berichtigungen
Ich wundere mich immer wieder über Pressestellen, die glauben, dass das Entfernen eines Textes an einer Stelle im Internet alle Fehler oder Zeugnisse einer früheren Kommunikationsstrategie aus der Welt schaffen würde. Pressemeldungen haben im Internet kein Verfallsdatum und sind durch Suchmaschinen langfristig auffindbar.
Durch das sprichwörtliche Nicht-Vergessen des Netzes ist auch manche nicht mehr aktuelle Produktmeldung oder frühere Kommunikationsstrategie von Unternehmen dauerhaft nachrecherchierbar. Das mag das Motiv für das Zurückdrehen der Uhr sein. Eine Stunde Null wünscht sich mancher.
Der bürokratische Akt eines Entfernens von unternehmenseigenen Informationen an einer Stelle im Internet, z.B. in der größten Datenbank für Presseinformationen Presseportal.de hat nur den Effekt, dass eigene Aussagen und Darstellungen bei späteren Recherchen von Journalisten fehlen.
Aus der Perspektive von Journalisten ergeben Recherchen dann unerklärbare Lücken, mehrere Versionen eines Inhaltes, Darstellungen von allen möglichen Seiten – aber die unternehmenseigenen Informationen fehlen.
Das Internet als zunehmend zentrales Kommunikations- und Nachrichtenmedium fordert durch seine eigenen immanenten Bedingungen („das Netz vergisst nichts“) Transparenz. Das gilt für Berichtigungen genauso wie für eine lückenlose Chronik.
Gibt es bessere Kommunikationsanlässe als die Personalie eines neuen Pressesprechers oder eines neuen Produktes, das ältere, nicht mehr aktuelle Informationen „vergessen“ lässt?