Journalisten brauchen Social Media, No future for Paid Content
Journalisten brauchen Social Media für ihre Arbeit. Sie sind von Paid Content nicht überzeugt und sie empfinden die Abkehr der jungen Generation vom Qualitätsjournalismus als die aktuell größte Herausforderung. Und die Mehrheit der deutschen Redakteure und freien Journalisten hat kein Smartphone. Das ergab unsere große Umfrage “Medien-Trendmonitor 2010 – Journalismus in einem neuen Informationszeitalter”, die wir wieder gemeinsam mit unserem Partner Faktenkontor durchgeführt haben. Die Resonanz aus den Redaktionen war großartig: Knapp 2.700 Journalisten haben mitgemacht.
Social Media endlich als tägliches Arbeitstool akzeptiert / YouTube knapp vorn
Journalisten kommen am Trendthema Social Media nicht mehr vorbei und attestieren den Networks eine hohe oder gar sehr hohe Relevanz (55 Prozent). Trotzdem ist der Anteil der Web2.0-Muffel immer noch relativ hoch. Ein Drittel schreibt Twitter & Co nur eine geringe Relevanz für die journalistische Arbeit zu. Aber: Der journalistische Nachwuchs hat die Zeichen der Zeit erkannt. Bei den Volontären betonen mit fast drei Viertel der Umfrageteilnehmer deutlich mehr als der Durchschnitt die große Bedeutung von Social Media. Am meisten setzen Journalisten auf YouTube (38 Prozent), knapp dahinter folgen mit je 37 Prozent XING und Facebook. Twitter ist überraschender Weise nicht unter den Top Drei. Nur knapp jeder Dritte zwitschert im Job oder recherchiert dort für Artikel und Beiträge (29 Prozent). Ein erstaunliches Ergebnis, wenn man Verfügbarkeit, Schnelligkeit und Unmittelbarkeit des Mediums berücksichtigt. Ich tippe mal, dass der Anteil der twitternden Journalisten in den nächsten Monaten kontinuierlich wachsen wird. Zu verlockend ist die Stärke dieses Mediums, Traffic auf die eigenen Beiträge zu leiten.
Große Zweifel an Paid Content / Google nicht der Buhmann
Dass man in Zukunft mit Bezahl-Inhalten im Web Geld verdienen wird, glaubt nur ein Viertel der befragten Journalisten (26 Prozent). Zu groß sind die Probleme heute noch, die mit diesem Verleger-Traum verbunden sind. Als Hürden werden am häufigsten genannt die weit verbreitete Umsonst-Mentalität im Web (81 Prozent), die Gefahr, dass Gratis-Anbieter das Geschäftsmodell aushebeln (63 Prozent) und die Behäbigkeit älterer Leser, die nicht mehr von der bezahlten Zeitung auf bezahlten Internet-Content umsteigen wollen (31 Prozent). Weiteres Ergebnis: Google scheint sein Bad-Boy-Image losgeworden zu sein. Während Verleger und Medienmanager oft beklagen, dass Google dreist ihre hochwertigen Inhalte nutzt, um Geschäft zu generieren, glauben die Redakteure und Reporter, dass der Suchmaschinen-Gigant nicht für die Krise der Branche verantwortlich ist (72 Prozent).
Herausforderung und Gefahr in einem: Die Jugend!
Die größte Herausforderung für die Medienmacher von heute ist die Jugend. Das sagen 40 Prozent. Wie können junge Menschen in großer Zahl für die eigenen Produkte und Publikationen begeistert werden? Oder sogar motiviert werden, für guten Journalismus zu bezahlen – egal ob für Print oder im Netz? Die Abkehr junger Menschen vom so genannten Qualitätsjournalismus wird gleichzeitig auch als größte Gefahr gesehen (53 Prozent). Auf die Jugend kommt es also an, soll das Modell Journalismus langfristig weiter funktionieren. Und welche Fähigkeiten muss der Journalist der Zukunft am dringensten beherrschen? Mit großem Abstand wird das parallele Arbeiten für Print, Web, SMS und Mobil genannt (61 Prozent). Auf Platz zwei folgt das gute alte journalistische Handwerk (37 Prozent). Die Kommunikation mit Lesern und Zuschauern sowie die Beherrschung von Social Media nennen jeweils nur gut ein Drittel. Was bedeuten diese Zahlen? Setzen Journalisten also doch lieber auf Einbahnstraßen-Kommunikation und scheuen den Austausch mit ihren Lesern? Eigentlich schwer vorstellbar, denn Medienmacher wissen, dass die Jugend durch die Nutzung von Facebook und anderen Plattformen gewohnt ist, gleichzeitig als Leser, Sender und Gesprächspartner zu agieren. Dieses wichtige Prinzip ist nicht zu ignorieren. Deshalb prognostiziere ich, dass der Kommunikation mit den Lesern, Hörern oder Zuschauern in Zukunft wesentlich mehr Bedeutung zugemessen wird.
Von der eigenen Web-Kompetenz mehr überzeugt als von der Zukunftsfähigkeit der Medienhäuser
Die deutschen Journalisten sind fit für die digitale Zukunft. Das sagen sie über sich selbst. Fast die Hälfte hält sich für “gut” gerüstet (48 Prozent) für die kommenden Jahre, jeder Siebente sogar für “sehr gut” (14 Prozent). Im Gegensatz dazu fällt das Zeugnis für Verleger und Sender nicht so positiv aus. Lediglich “mittelmäßig” seien die deutschen Medienunternehmen auf die digitale Zukunft vorbereitet, sagen die meisten (53 Prozent). Die Beurteilung des eigenen Arbeitgebers hat sich gegenüber 2009 damit sogar noch weiter verschlechtert: Heute sagen 16 Prozent der Journalisten, die Medienhäuser sind “schlecht” oder sogar “sehr schlecht” vorbereitet. Im Februar letzten Jahres meinten das lediglich neun Prozent. Überhaupt, was wird die Zukunft bringen? Im Jahre 2020 werden zahlreiche der heutigen Tageszeitungen nicht mehr erscheinen (sagen 67 Prozent) und Print wird drastisch an Bedeutung verloren haben (sagen 54 Prozent).
Insgesamt blicken die deutschen Medienmacher also recht pessimistisch in die Zukunft. Aber immerhin ein gutes Viertel zeigt sich optimistisch und prognostiziert für das Jahr 2020, dass der Journalismus die Herausforderungen des Internets erfolgreich gemeistert haben wird und sogar besser dasteht als heute. Ich persönlich drücke jedenfalls kräftig die Daumen, dass es tatsächlich so kommt. Aber vielleicht sollten doch noch ein paar mehr Medienvertreter die Vorzüge von iPhone und Blackberry kennen lernen, um das Kommunikationsverhalten der nachwachsenden Generationen zu verstehen. Sonst wird es schwierig mit der Zielgruppe.
Lesen Sie ab etwa 10.00 Uhr auch unsere offizielle Pressemitteilung auf www.presseportal.de mit weiteren Ergebnissen inklusive Infografik, Berichtsband, Management Summary und Video. Die Gewinner des iPads und der fünf 25€-Gutscheine von Amazon werden wir im Laufe der Woche persönlich kontaktieren.
Susanne Ahrens
sehr interessante Erkenntnisse; super Resonanz aus den Redaktionen – news aktuell setzt da wirklich Maßstäbe
Medien-Trendmonitor: Das gesamte Material #trends10 (Video, Slideshare, Links) — news aktuell blog
[...] * Meine persönliche Sicht der Dinge in unserem Blog [...]
Sabine Lahl
Ein Branchenbeitrag gemacht aus Bienenfleiß und Reflexion. Das beste, was wir an Meta-Expertise für unsere Kunden bereithalten können.
Gern genommen mit herzlichem Dank
Readers Edition » Hat Paid Content eine Chance? Ein Diskussions-Tipp
[...] sind lediglich 26 Prozent der Nachrichtenmacher der Meinung, dass Paid Content gute oder gar sehr gute Chancen hat, wirtschaftlich erfolgreich zu werden. 46 [...]
Was denken Journalisten über Social Media und Paid Content?
[...] in einem neuen Informationszeitalter” nun fest und können in dieser Pressemitteilung oder diesem Blogbeitrag von PR-Mann Jens Petersen ausführlich nachgelesen [...]
Daniel
Die letzten beiden Sätze sind mir der Überspitzung dann doch zu viel. Man beachte die Fragestellung: Ich persönlich nutze für meine Arbeit kein Smartphone. Privat schon. Dann klappt’s auch mit der Zielgruppe…
Glanzlichter 20 « … Kaffee bei mir?
[...] Petersen Journalisten brauchen Social Media, No future for Paid Content Ergebnisse der newsaktuell/Faktenkontor-Umfrage unter 2.700 Journalisten “Medien-Trendmonitor [...]
colorcraze
Ach, mit dem paid content ist es wie mit der Schweinemast im Gemeindewald, die dann doch irgendwann durch parzellierte Grundstücke abgelöst wurde. Langfristig wird man um paid content nicht herumkommen, der auch sein Scherflein zur Finanzierung von Journalismus beiträgt. Es existieren nur noch keine wirklich brauchbaren Geschäftsmodelle, da wird noch geübt und experimentiert.
Social Media ja, nur Twitter eher nein! « Mainfranken 2.0
[...] Social Media hui, Paid Conten pfui! Vielleicht ließe sich so am besten die Studie zusammenfassen, die Jens Petersen im na-blog vorgestellt wird: Journalisten brauchen Social Media, No future for Paid Content [...]
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