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18. Dezember 2014
Lars Müller

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NIRI-Conference: Is Social Media the New Porn? #NIRI2010

von Lars Müller
Mittwoch, 09 Juni 2010 um 01:46 Uhr | 2 Kommentare

Der zweite Konferenztag der NIRI2010 in San Diego ist in vollem Gange. Der Vormittag war voll gepackt mit zehn Workshops, die ich mir leider nicht alle anhören konnte. Eines schon vorweg: Social Media ist DAS bestimmende Thema der gesamten Konferenz - alle Workshops hierzu waren überlaufen, 500 und mehr Teilnehmer saßen allein bei der Thomson Reuters-Präsentation. Beruhigend aus meiner Sicht als Leiter von euro adhoc: die amerikanischen Kollegen sind bei weitem nicht in allem technologisch führend… aber dazu später mehr.

Auf meinem Workshop-Programm standen heute u.a. die beiden Workshops “Social Media Compliance” und “Thomson Reuters – Web 2.0 and the Disclosure Process”. Während der erste Workshop spannende neue Erkenntnisse brachte, begnügte sich Thomson Reuters mit einer ziemlich schwachen Produktpräsentation. Für einige Konferenzteilnehmer war das einzige Highlight dieses Workshops ein Video, das die Entwicklung des Web 2.0 aufzeigte und u.a. die Aussage enthielt: Social media has taken over pornography as the number one activity on the Web”. Welch’ weltbewegende Erkenntnis!

Der erste Workshop “Social Media Compliance” begann mit einer Präsentation von Jeff Wilson, dem CFO von Microvision Inc.

Jeff stellte klar, dass er sich mit dem Thema Social Media nicht beschäftigt hätte, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre, damit GELD ZU SPAREN. “Social Media is a cost-effective way to communicate dynamic information to a broad audience”, so seine Einschätzung, die er wenig später noch einmal präzisierte: “Social Media is cheap, reaches a broad audience, and gives us new abilities not available from traditional tools such as press releases.”

Microvisions firmeneigener Blog “Displayground” wird allerdings nicht allein von der IR-Abteilung betrieben, sondern von einem Team aus verschiedenen Abteilungen (Marketing, Produktmanagement, Corporate Communications und IR). Hardcore-IR-Themen werden nicht gebloggt – es geht vielmehr um die Darstellung von Produkten, Branchentrends, PR-Aktivitäten, Messe- und Konferenzteilnahmen etc. Nichtsdestotrotz wurden alle Blogger auf die rechtlichen und Compliance-Vorgaben geschult. Fragen zu IR-Themen werden direkt an das IR-Team weitergeleitet.

Im darauffolgenden Vortrag betonte James Moloney von Gibson und Dunn, dass Social Media nicht nur die Kommunikation mit den Shareholdern, sondern mit allen Stakeholdern des Unternehmens vereinfache. Im Anschluss stellte er einige Best Practice-Ansätze börsennotierter Unternehmen vor:

- Expedia, BCG Partners, Reis Inc. und Google veröffentlichen ihre Earnings Releases ausschließlich auf ihren Websites (was in Europa aufgrund der rechtlichen Vorgaben natürlich noch nicht möglich ist)

- Chevron hat einen Twitter-Feed mit offiziellen IR-Inhalten

- GM und Cisco betreiben beide eine Facebook-Site (meine persönliche Einschätzung: so richtig geupdatet werden diese Sites nicht!)

- Dell betreibt einen IR-Blog, der u.a. Videos von Vorstandsmitgliedern beinhaltet, die den financial outlook kommentieren

James berichtete dann noch vom einem Versehen von Dells IR-Abteilung, das verdeutlicht, welchen Einfluss Social-Media-Veröffentlichungen heute bereits haben: im letzten Jahr wurde ein Earnings Report mehr als 30 Minuten vor der offiziellen Newswire-Verbreitung im unternehmenseigenen Blog und auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht. Der Aktienkurs stieg bis zum Zeitpunkt der offiziellen Pressemitteilung um mehr als 6 %! Das dürfte die Frage, ob Blogs und Social-Media-Kanäle gelesen und beachtet werden, zumindest für so große Unternehmen wie Dell eindrucksvoll beantworten.

Der zweite Social-Media-Workshop des Tages zeigte deutlich, dass man sich mit einer reinen Produktpräsentation im Rahmen einer Expertenveranstaltung auch schön in die Nesseln setzen kann (an alle, die auf der DIRK-Konferenz in Frankfurt reine Produkt getriebene Workshops abgehalten haben: lasst Euch das eine Lehre sein!).

Im Workshop “Thomson Reuters – Web 2.0 and the Disclosure Process” sollte es laut Ankündigung um den Einfluss von Web 2.0 auf die Unternehmenskommunikation und die Transparenzpflichten gehen. Aber Pustekuchen! Kristine Essing, VP IR Communications Services von Thomson Reuters, zog eine (ziemlich lahme) Präsentation des Thomson Web Disclosure Tools durch. Kein Wunder, dass sich die kritischen Kommentare auf Twitter in der Folge häuften.

Zu allem Überfluss ist das neue Web Disclosure Tool nichts Anderes als ein Direktverbreitungssystem, mit dem IR-Meldungen auf Knopfdruck (also ohne redaktionelle Endabnahme) per Satellit verbreitet und im Web veröffentlicht werden können. Sorry liebe Kollegen und Kolleginnen von Thomson Reuters – aber das ist nun wirklich NICHTS NEUES mehr! Word-Upload mit Tabellenerkennung? Auch das gibt es bei den beiden führenden IR-Verbreitungsservices im deutschsprachigen Raum (euro adhoc und DGAP) bereits seit Jahren. Und auf die Rückfrage, ob die Meldungen denn auch auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht würden, musste Kristine eingestehen, dass man sich hier erst in der Planungsphase befinde.

Da sind wir in Deutschland doch schon um Einiges weiter. (Übrigens: wie euro adhoc Meldungen auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht, hatte ich hier bereits einmal zusammen gefasst.)

Mein Fazit: Auf manchen Gebieten ist das “alte Europa” seinen amerikanischen Kollegen doch um Lichtjahre voraus – das ist doch beruhigend zu wissen! Und nichts für ungut, liebe Kollegen von Thomson Reuters: Some days you are the bug and some days you are the windshield …

  • 23. Juli 2010 um 19:00
    Andreas Köster
    • Lars Müller 24. Juli 2010 um 19:28
      Lars Müller