Was ist die Privatsphäre wert?
Nach unserem media coffee heute Abend in München hat mich ein seltsames Gefühl beschlichen. Je länger unsere Reihe dauert, desto klarer wird, dass wir absolut keinen blassen Schimmer haben, wie die Kommunikation in zehn Jahren funktioniert. Das ist einerseits sehr schade, weil genau das wollen wir ja schließlich wissen. Andererseits können wir natürlich weiterhin munter ins Blaue fabulieren und so auf angenehmen Weise die Jahre bis 2020 verbringen. Schöne Aussichten!
Aber was haben unsere Referenten in der Glaskugel für uns erspäht? Jochen Wegner freut sich schon jetzt auf ein Gerät, das so ähnlich wie ein iPhone aussieht, und das mit ihm gemeinsam die Welt erkundet, auf Umweltreize reagiert und ihm in allen Lebenslagen passgenaue Informationen liefert. Helmut Freiherr von Fircks hingegen, dessen betagte Mutter fleißig twittert, wie wir erfuhren, träumt davon, in zehn Jahren endlich deutlich gefilterter zu kommunizieren. Und Terry von Bibra wünschte sich, dass sich mindesten 90 Prozent seiner E-Mail automatisch beantworten, damit er sich so um die wirklich wichtigen 10 Prozent kümmern kann, die es verdienen. Aber wer schreibt denn 2020 eigentlich noch E-Mails… ? Das Problem sollte sich als von alleine lösen. Von Bibra Junior macht es zu Hause schon vor: Wenn man seine Freunde nicht via Facebook erreicht, dann eben gar nicht. Mailen oder simsen kommt jedenfalls nicht in die Tüte.
Etwas Beklemmung erzeugte unser Trendforscher Prof. Wippermann. (Zitat auf Twitter: “Der ist gut, der Prof.”). Er prognostizierte das baldige Ende der Privatheit, beziehungsweise meinte, dass dieses Ende bereits konkret begonnen hat. “Privacy von Menschen ist eine Währung geworden. Was ist die Privatsphäre wert?” Ja, das ist eine gute Frage. Bekomme ich irgendwann tatsächlich Geld dafür, wenn ich mich Unternehmen gegenüber komplett öffne? Oder findet das Ende der Privatheit doch eher im Verborgenen statt auf den Servern von Facebook und Google? Ist das vielleicht das eigentliche Geschäftsmodell der Zukunft?
Besten Dank im Namen von news aktuell an alle Diskutanten und an unseren Moderator Klaus Eck!
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach
ZUr Währung Privatheit: Ist es nicht eher so, dass viele von uns genau diese Währung aktuell bereits einsetzen, weil sie damit kostenfreie Services wie Facebook und Gmail bezahlen oder Rabatte wie bei Payback bekommen? Das, was mir an diesem Bild (das mich witzigerweise nicht beklemmt) gefällt, ist genau dies: Dass etwas kostenfrei aber nicht umsonst sein mag. Und dass Privatheit in der Tat eine interessante Währung ist, bei der ich nach und nach entscheiden werde, ob ich sie einsetze anstelle von Geld. Oder?
Wie kommunizieren wir 2020? « Wörterladen – Mit Worten überzeugen
[...] erwartet uns dann bei der Kommunikation 2020? Eine spannende Antwort blieben die Referenten schuldig. Lesezeichen setzen [...]
U. Precht
Ich war zum ersten Mal auf dieser Veranstaltung – und wahrscheinlich auch zum letzten Mal. Denn ich war bestürzt, entsetzt und ziemlich sauer auf das, was dort geboten wurde.
Ich frage mich, was aus einer Welt werden soll, wenn selbst die sogenannten Kommunikationsprofis nicht mal mehr in der Lage sind, einer Diskussion konzentriert zu folgen, weil sie durch meist unglaublich banale Twitter-Meldungen, die hinter den Diskutanten auf dem Podium auf einer Leinwand vorbeihuschten, abgelenkt wurden? Mal abgesehen davon, dass die meisten dieser Kommentare von den Zuhörern selbst kamen – falls sie denn – unwahrscheinlich – konzentriert zuhörten. Von wegen Multitasking – Spieltrieb nenne ich das …
Anderthalb Stunden nach meiner Ansicht furchtbar banale und gequälte Hype-Fragen zu einem noch mehr gehypten Thema (… und sie folgten wie die Schafe dem Schäfer …), in denen sich ein Internet Geek als Moderator mit seinen “was-ich-schon-immer-mal-wissen-wollte-wenn-mir-schon-sonst-nix-einfällt”-Fragen versuchte, sich selbst zu vermarkten. Eine Zumutung allererster Güte! Und als dann jemand aus dem Publikum sich doch erdreistete, mal laut und nicht anonymisiert über Twitter (Leute! Schluss damit! Das ist keine Kommunikation, das ist Massenverdummung und komplette Zeitverschwendung – das meine ich!), bat, doch mal zum Thema zu kommen und der Moderator dann nicht mal mehr wusste, worum es denn eigentlich gehen sollte – da ging ich…
Übrigens: Wer über zuviele Mails und Arbeit stöhnt, der sollte sich mal etwas mehr diszplinieren und nicht wie ein zehnjähriges Kind Belanglosigkeiten über digitale Medien austauschen – ich glaub´s ja nicht!
Niemand weiss wie es weitergeht. Das ist klar. Aber wer sich hier völlig unkritisch auf diesen Zug und diese Reise begibt, wird sich selbst bald weg rationalisieren – oder – weg banalisieren. Big-Brother-Sucht-Den-Dschungelkönig-Mentalität. Gut, wer das will – ok. Aber es wäre, heute mehr denn je, ganz gut, mal den Kopf wieder auf die richtige Stelle zu rücken und mal den – solange der noch vorhanden ist – gesunden Menschenverstand einzusetzen.
Was gibt´s denn im Internet wirklich an Informationen, an die sowieso nicht jeder rankommt? Keine! Also sind sie doch wertlos. Und wenn man überlegt, dass alleine der überbordende Mailverkehr jährlich weltweit Schäden in Höhe von mehreren Billionen Euro verursacht (also mehr als alle Kriege und Naturkatastrophen zusammen!), dann sollte es nicht schwerfallen, den nächsten gedanklichen Schritt zu tun: Wie viel mehr Schaden wird den Twitter & Co anzurichten in der Lage sein? Das ist kein – um das vorwegzunehmen – rückwärts-gerichtetes Denken. Im Gegenteil! DAS ist vorwärts gedacht – meine ich wenigstens. Auch wenn´s dafür jetzt viel Schelte geben wird. Gute Informationen kosten nach wie vor Geld – viel Geld. Nicht umsonst gibt es Datenbanken, die jährlich zigtausende von Euros kosten und die sich nur Firmen leisten können. Warum nur? Aufwachen aus dem Facebook-Twitter-Koma. Nochmal den Kopf einschalten und nicht einfach alles nachmachen, nur weil Andere ihre Ideen gut verkaufen können. Dieses Thema ist nahezu unerschöpflich. Gewinner werden Andere sein – ein paar Wenige. Wie immer. Von daher geht die Strategie derer wohl auf. Prima! Jammern hilft auch nix. Ist schon klar. Aber mal zusammensetzen und nicht wie das Kaninchen vor der Schlange verharren. Angst essen Seele auf…
In diesem Sinne: Ran an den Speck – mit viel Energie und vor allem gesundem Menschenverstand – soweit noch vorhanden …
U.P.
hannibal tarkan daldaban
bitte mal kontaktieren . danke
PRlen verlinkt Medial Digital Blog von Ulrike Langer | PRlen
[...] Ihr Chef hat mir gestern mit seinen Thesen beim Mediacofee sehr gut gefallen. Was für die anderen Panel-Teilnehmer nur bedingt gilt. Aber das ist ein anderes [...]
Karpfenpeter
Ich bin der Meinung, dass es einige Unternehmen gibt, die ganz klar ein Bild erzeugen wollen, das suggeriert, Privatsphäre sei altmodisch; gar abzulehnen weil verpönt. Dieser Meinung bin ich nicht.
Der Begriff Privatsphäre muss heute anders verstanden werden, als noch 1995.
Damals hätte ich mir niemals Gedanken darüber machen müssen, ob man ein Totalabblild meiner Persönlichkeit, meiner finanziellen Situation, meiner Charakterzüge, meiner Vorlieben und Abneigungen, meiner Krankheiten, meiner sexuellen Neigungen, meines sozialen Geflechts machen kann – irgendwer wusste kleine Fragmente von mir.
Und heute?
Heute muss ich wissen, dass die Informationen, die ich einem Anbieter X über mich zur Verfügung stelle, morgen schon Anbieter Y gehören können, weil X durch Y gekauft wurde. Wenn Y parallel auch schon Daten über mich gespeichert hat, kann Y nun die Daten von Y mit denen von X verbinden und somit weitreichendere Rückschlüsse auf meiner Persönlichkeit ziehen, als es vor davor möglich war.
Klare Haltung: Wer glaubt, Privatsphäre sei am Ende und es sei erstrebsam diese bereitwillig abzulegen, der gibt seine Selbstbestimmtheit in Raten ab!
Wenn wir in 15 Jahren noch selbstbestimmt leben möchten, sollten wir erstens gegen Unternehmen und Interessengruppen sowie Regierungen kämpfen, die uns zu bereitwilligen Datenpreisgebern konditionieren wollen. Zweitens sollten wir unseren Kindern von klein auf den kritischen Umgang mit Informationspreisgabe und differenzierte Medienkompetenz lehren.
Viele Grüsse, Peter
http://www.twitter.com/karpfenpeter
Lesenswert (7): Suchmaschinen haben immer noch die Nase vorn - fuellhaas.com - Online Reputation Management, Personal Branding und Social Media
[...] Von wegen Währungskrise! – Privatsphäre wird immer teurer Vor ein paar Tagen zitierte Jens Petersen vom na blog den Trendforscher Prof. Peter Wippermann mit den Worten „Privacy von Menschen ist eine Währung geworden. Was ist die Privatsphäre wert?” und fragte seine Leser: Bekomme ich irgendwann tatsächlich Geld dafür, wenn ich mich Unternehmen gegenüber komplett öffne? Oder findet das Ende der Privatheit doch eher im Verborgenen statt auf den Servern von Facebook und Google? Ist das vielleicht das eigentliche Geschäftsmodell der Zukunft? (Quelle) [...]
Privatsphäre oder Erfolg | Yasni Blog
[...] Privatsphäre im Internet wert? Diese sehr spannende Frage stellt aktuell Jens Petersen im Blog von news aktuell. Und ich kann auch nur wärmstens empfehlen, sich den Artikel und die anschließenden Kommentare [...]