Social Media in Unternehmen: Wichtig ja, Strategie nein, Budget Fehlanzeige
Nur ein Drittel der deutschen Unternehmen verfügt über eine Social Media Strategie, jedes zweite arbeitet daran, aber nur jede zehnte Firma und nur ein gutes Viertel stellt auch tatsächlich ein Budget für Web2.0-Kommunikation bereit. Das ergab unsere Blitzumfrage “Social Media in Unternehmen”, die wir wie gewohnt mit unserem Partner Faktenkontor durchgeführt haben. Mehr als 1.700 Pressesprecher und PR-Fachleute haben bei diesem “kleinen PR-Trendmonitor” mitgemacht.
PR-Agenturen sehen es anders
Zwei Drittel der Mitarbeiter von Pressestellen halten Social Media grundsätzlich für wichtig. (“eher wichtig” 45 Prozent, “sehr wichtig” 17 Prozent). Das Web 2.0 ist heute also Mainstream. Zu einem anderen Schluss kommen dagegen die PR-Agenturen. Sie sagen, dass nur jede zehnte Firma Social Media für sehr wichtig hält. Außerdem meinen die Agentur-Fachleute, dass nur knapp jedes zwanzigste Unternehmen über eine echte Kommunikationsstrategie im Social Web verfügt. Selbsteinschätzung und Wahrnehmung von außen klaffen also spürbar auseinander.
Web2.0-Kommunikation ist nicht Chefsache
Social Media wird in deutschen Unternehmen am häufigsten in der Pressestelle für die Kommunikation nach außen eingesetzt (57 Prozent). Knapp dahinter folgt das Marketing (51 Prozent). Jedes fünfte Unternehmen gibt an, Soziale Netzwerke überhaupt nicht für den Kontakt nach außen einzusetzen. Und: Twitter & Co sind noch keine Chefsache. Nur gut jede zehnte Geschäftsführung ist selber im Web 2.0 aktiv. Der Personenkreis mit Social Media Lizenz ist in den Unternehmen sowieso eher klein. Es scheint so, dass die meisten tendenziell noch der “One Voice Policy” zugeneigt sind. Zwei bis Fünf Personen sind meistens berechtigt, sich offiziell für das Unternehmen in Social Networks zu äußern (56 Prozent). Nur jede zwanzigste Firma stellt ihren Mitarbeitern einen Freifahrtschein aus. Sechs Prozent sagen, jeder darf.
Social Media darf nichts kosten
Die Kommunikation im Web 2.0 wird bei den meisten deutschen Unternehmen als willkommener kostengünstiger Zusatzkanal angesehen, um mit Kunden und potentiellen Interessenten in Kontakt zu treten. Die meisten haben in diesem Jahr keine separat ausgewiesenen finanziellen Mittel bereit gestellt. Nur gut jede zehnte vierte Kommunikationsabteilung darf sich über einen zusätzlichen Geldregen freuen. Eine interessante Zahl, da ja schließlich die Mehrheit Social Media für ein wichtiges Thema halten. (17 Prozent “sehr wichtig”, 45 Prozent “eher wichtig”)
Fazit der Blitzumfrage
Social Media halten zwar die meisten für wichtig, aber die klare Mehrheit betreibt ihre Kommunikation im Web 2.0 noch ohne Strategie und noch mehr ohne Budget. Was bedeutet das für die PR-Wirtschaft? Leidet darunter die Qualität der Unternehmenskommunikation? Ist vielleicht noch gar nicht geklärt, wie strategische Aktivität im Social Web überhaupt aussieht? Eröffnet sich jetzt ein riesiges Feld für echte und vermeintliche Berater, die in der “Ahnungslosigkeit” der Kommunikationsabteilungen ein fettes Geschäft wittern? Oder ist für die kleinteilige Direktkommunikation in Sozialen Netzwerken eine klassische “PR-Strategie” sowieso überflüssig? Was meinen Sie?
ennasusanne
Interessante Blitzumfrage. Ich denke, dass eine klassische PR-Strategie beim Thema Social Media nicht weiterführt. Was ein Unternehmen voranbringt, ist einerseits die Beobachtung von Trends und Entwicklungen in diesem Bereich – und andererseits der Mut und die Risikobereitschaft, den einen oder anderen Trend mitzumachen (und vielleicht selbst mit zu prägen!). Immer auf die Gefahr hin, dass sich ein Hype zum Online-Ladenhüter entwickeln kann. Soziale Medien unterliegen einem äußerst schnellen Wandel, deswegen würde es mich wundern, wenn ein Berater einem Unternehmen eine klare, schlüssiges und langfristig haltbare Strategie liefern könnte. Ein externer Berater kann dem Unternehmen allerdings abnehmen, das Know-how intern aufbauen zu müssen. Aus diesem Grund könnte es sein, dass “Social Media Berater” ein Job mit Zukunft ist.
setosocial
Eine sehr aufschlussreiche Studie, vielen Dank für die Zusammenfassung! Ich halte es für schwierig, wenn Unternehmen Social Media-Aktivitäten ohne klare Strategie fahren. Im Web 2.0 gilt nach wie vor: besser kein Social Media-Auftritt, als ein schlechter. Zudem sind die Mitarbeiter eines Unternehmens oft selbst aktiv in sozialen Netzwerken unterwegs und agieren als Markenbotschafter. Für Unternehmen ist es also ebenso wichtig, neben der externen Produktkommunikation auch interne Leitlinien zum Umgang mit Social Media zu schaffen. Ich denke, dass gerade der ständige Wandel und die Vielfältigkeit von Web 2.0-Angeboten es unabdingbar machen, sich externes Know-how einzuholen, um jederzeit flexibel zu reagieren. Trends und Entwicklungen zu beobachten ist sicher ebenso wichtig – aber auch über Social Media am effektivsten und sollte daher Teil der ganzheitlichen Strategie sein.
Kerstin Boll
Zur Selbsteinschätzung und Wahrnehmung nach außen: Ich kann mir vorstellen, dass bei Ihrer Umfrage verstärkt solche Unternehmen teilgenommen haben, die ohnehin internetaffin sind.
Jens Petersen
Liebe Frau Boll, das ist natürlich am Ende immer schwer zu beurteilen. Allerdings haben wir eine sehr breite Datenbasis angeschrieben. Und fast 1.100 Vertreter aus Pressestellen sollten den Durchschnitt gut repräsentieren.
Vielleicht ist es ganz spannend, wenn Sie sich die Zusammensetzung der Teilnehmer anschauen. Wir haben soeben den Berichtsband im Presseportal veröffentlicht: http://bit.ly/9FqsAk
Jens Petersen
Sorry für die Korrekturen. Man sollte halt keine Schwarz-Weiss-Ausdrucke zur Vorbereitung auf ein Thema nutzen, wenn die Grautöne so schwer zu unterscheiden sind. Wieder etwas schlauer geworden … Danke an @stephanfink für den guten Hinweis!
fschuetz
Vielen Dank für den Hinweis auf die Blitzumfrage zum Thema Social Media. Wäre interessant zu sehen, wie die Ergebnisse in einem halben Jahr aussehen. Ob der Trend dann weiter in Richtung Social Media geht, ober ob möglicherweise auch diese Entwicklung, wie schon andere vor ihr, rechts überholt wurden…
Anja Beckmann
Vielen Dank für die interessanten Studienergebnisse! 85 Prozent der Unternehmen haben bereits eine Social Media Strategie oder arbeiten daran – das zeigt die Relevanz des Themas für die PR. Umso mehr überrascht mich, dass nur 28 Prozent der Unternehmen ein Budget für Social Media Aktivitäten zur Verfügung haben. Interessant wäre in diesem Zusammenhang gewesen, ob zumindest die personellen Ressourcen entsprechend bedacht wurden.
Jens Petersen
Liebe Frau Beckmann, absolut richtig! Wie kalkulieren Unternehmen mit personellen Ressourcen, die sich zwar mit Social Media beschäftigen, dieses aber ohne ausgewiesenes Budget im Rahmen ihrer “normalen” Arbeit tun? Ein gutes Thema für die nächste Umfrage! (Die übrigens für den September geplant ist …)
Christian Jansen
Danke für die Studie! Interessant wäre eine Aufteilung des Samples nach B2B / B2C. Ich würde vermuten, dass im Social Media im B2C-Bereich verstärkt eingesetzt wird.
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