Die Zukunft des Gedruckten: European Newspaper Congress ab heute in Wien
Fast hätte die Asche es geschafft. Aber gerade noch rechtzeitig vor Beginn des Europäischen Zeitungskongresses in Wien wurde das Flugverbot aufgehoben. So treffen sich wie geplant ab heute abend 600 Chefredakteure und Zeitungsmacher aus ganz Europa in Wien. Es geht um die Zukunft des Gedruckten, um Konzepte, die auch in der digitalen Welt Leser begeistern.
Nicht die große Politik- und Wirtschaftsberichterstattung oder weltumspannende Information der Leser stehen im Mittelpunkt. Sondern das Lokale. Die schwedische “Smålandsposten” zum Beispiel, Europas beste Lokalzeitung, zeigt, wie sie Leser an sich bindet: mit Geschichten und Bildern ausschließlich aus der Region, mit Unfällen und Polizeimeldungen, Eishockeyspielen der ortsansässigen Mannschaften, Veranstaltungstipps für Einheimische etc.
Über die Auszeichnung für die beste Regionalzeitung des Jahres darf sich übrigens ein deutsches Blatt freuen:
Die Stuttgarter Zeitung hat sich in dieser Kategorie gegen alle anderen Zeitungen durchgesetzt. Obwohl die SZ nicht wie andere Blätter auf größere Bilder und mehr Weißraum setzt, biete sie durch gute Lesbarkeit, erstklassige Titelseiten und nach wie vor lange Texte “pures Lesevergnügen”, so die Jury. Glückwunsch!
Chefredakteur als Community Manager
Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden die Redakteure in den newsroom cafés in Tschechien. In ihrer Redaktion mitten im Coffeeshop entstehen nicht nur lokale, sondern „hyperlokale“ Zeitungen. Chefredakteur und Journalisten arbeiten im Café, treffen ihre Leser, hören ihnen zu – und schreiben über die Anliegen ihrer Leser. Und Kellner verkaufen neben Kaffee und Kuchen auch die selbst publizierte Zeitungen. Der Chefredakteur als Community Manager, eines der spannenden Konzepte mit Zukunft.
Multimedia, Unabhängigkeit und das liebe Geld
Auch ein Zeitungskongress kommt nicht um das Thema Multimedia herum. Wie können digitale Verbreitungswege von Informationen mit analogen verbunden werden? Welche Rolle spielen Bilder und Videos?
Das „European Publishers Forum“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Journalismus finanzierbar bleiben kann. Die Herausgeber diskutieren beim „European Editors Forum“ über die Unabhängigkeit des Journalismus in Zeiten knapper Kassen. Und wie in jedem Jahr werden am Montag abend Europas Zeitungsmacher des Jahres ausgezeichnet. Allen Teilnehmern viel Spaß und inspirierende Diskussionen! Für Ambiente ist ja gesorgt: der Festsaal des Wiener Rathauses ist einfach ein Augenschmaus.
Was noch?
Pressemeldungen des “Medium Magazins” (Fachverlag Oberauer), Ausrichter des Kongresses, im Presseportal
Twitter-Hashtags: #enc2010 #enc10
Eine Facebook-Seite gibt es leider nicht. Vielleicht nächstes Jahr, liebe Veranstalter?
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