Long Tail im fragmentierten Markt der Videoplattformen
Mein Düsseldorfer Kollege Marcus Albrecht wies mich heute einen spannenden Artikel zur Nachhaltigkeit von Videoportalen hin. Das US Technologieblog TechCrunch beschäftigt sich darin mit dem fragmentierten Markt dieser Plattformen und zitiert die Marktforscher von ComScore. Demnach entfallen 52 Prozent der Nutzungszeit von Webvideo auf Portale, die nicht zu den 25 reichweitenstärksten Plattformen gehören.
Der Bericht bestätigt unsere Erfahrung der jüngsten Zeit. Zwar generiert unser YouTube-Channel neben unser eigenen Plattform die weitaus meisten Abrufe in unserem Distributionsnetzwerk. Wir stellen allerdings in der Summe der übrigen Plattformen einen deutlichen Kumulationseffekt fest. Das bestätigt uns in unserer Strategie, verschiedene Videoplattformen zu kombinieren und das Videomaterial immer mit einem relevanten Begleittext zu verknüpfen.
Alexis Michaltsis
Ich würde dem Long Tail auch eine gewisse Bedeutung zusprechen, aber nicht in dem Maße wie es TechCrunch mit den 52 % tut.
Auf http://www.tubemogul.com/marketplace finden sich Statistiken, die ausweisen, dass die erfolgreichen Videocontent Produzenten dort zwischen 99 und 100 Prozent ihrer Zuschauer über YouTube beziehen, obwohl sie auf bis zu 9 anderen Videoplattformen aus der 2-25er Liga der meistgesehenen Videoplattformen publizieren (z.B.: Philip DeFranco, BlackTree TV, Barely Political). Viele weitere erfolgreiche Produzenten veröffentlichen sogar ausschließlich bei Youtube, obwohl sie mit tubemogul.com ein Werkzeug an der Hand halten, mit dem sie kinderleicht mehrere Kanäle bedienen könnten (z.B. Machinima.com, HotForWords, Athene Wins).
All das ist zwar noch kein Beweis, lässt mich aber vermuten, dass bei Videos mit höheren Zuschauerzahlen der Youtube-Marktanteil tendenziell größer ausfällt, als von TechCrunch in ihrem Artikel ausgewiesen.
Die Frage sollte deshalb sein: Sind die eigenen, professionell produzierten Videos, welche eine größere Masse an Zuschauern pro einzelnem Video anstreben, überhaupt diejenigen Videos, welche den Long Tail in der Masse ausmachen? Ich glaube nicht!
Und hier kommen wir zu der Frage der Relevanz des Long Tail. Natürlich gibt es da draußen einen ganzen Zoo an zig Videos, vom Video des eigenen Babys bis zum wackeligen Handyvideo des letzten Segeltörns, die in der Masse zwar mehr Zuschauer haben als die Gruppe der viel gesehenen Videos.
Jedoch kann sich kein Videoproduzent mit dieser Flut an Videos messen. Warum auch, diese Videos sind für keine Werbepartner relevant und ein Kunde der Videos für viel Geld bei einem Videoproduzenten erstellen lässt, erwartet mehr als nur ein paar Zuschauer über Durchschnitt, um in Folge wieder zu kommen.
Mein Fazit also, der Long Tail scheint wichtig, aber nicht so sehr für die Videos mit höheren Zuschauerzahlen, welche den Bärenanteil bei professionell produzierten Videos ausmachen ’sollte’.
Thomas Wagensonner
Das stimmt natürlich. Allerdings hat man im PR-Bereich bei professionell produzierten nachrichtlichen Videos selten virale Effekte, die einem in kurzer Zeit riesige Zuschauerzahlen bringen. Da schafft der Long Tail merkbare Nachhaltigkeit.
Aber für zuschauerstarke Videos stimmt Ihr Argument natürlich. Wir haben auch schon festgestellt, das Videos mit dynamischem Zuschauerwachstum bei YouTube deutlich schneller wachsen als auf anderen Portalen.
Ich denke auch, dass man sich auf ein Portal beschränken muss, wenn man die social media Elemente der Plattformen ernsthaft nutzen will.